Buchpräsentation „UNI BRENNT“ mit Podiumsdiskussion | Wien 18.03.2010

© Martin Juen

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Am Donnerstag, 18.03., finden sich rund 100 Personen im Depot im 7. Wiener Bezirk ein, um der Präsentation des eben erst im Verlag Turia + Kant erschienenen Buchs „Uni brennt. Grundsätzliches – Kritisches – Atmosphärisches“ sowie der anschließenden Podiumsdiskussion beizuwohnen.

Nach der Begrüßung durch den Verlag erklären die HerausgeberInnen, allesamt Studierende, ihre Motivationen und schildern den Entstehungsprozess von der Idee bis zur fertigen Publikation. Das HerausgeberInnen-Kollektiv erklärt, dass das Buch, entstanden während der Studierendenproteste des Herbsts 2009, einen bunten und kritischen Diskussionsbeitrag zur Bildungsdebatte liefern, Ideen nicht verloren gehen lassen, eine kritische Öffentlichkeit informieren und ab und zu auch inspirieren soll. Das Buch, an dem neben Studierenden auch Lehrende sowie Intellektuelle und KünstlerInnen mitwirken, macht sich auf die Suche nach den Ursachen, stellt grundsätzliche Fragen zum Bildungsbegriff und zur Bildungspolitik, versammelt kritische Positionen und Forderungen und gibt atmosphärische Stimmungsbilder aus den ehemals besetzten Hörsälen wieder. Die thematisch und von den Textsorten unterschiedlichen Beiträge im Buch sollen es den LeserInnen ermöglichen, sich dem Thema von verschiedenen Seiten zu nähern, die Vielfalt und Heterogenität der Protestbewegung erfassen und die Ereignisse des vergangenen Herbsts im Gedächtnis behalten zu können.

An die thematische Ausrichtung des Buchs anknüpfend laden die HerausgeberInnen im Anschluss and die Präsentation zu einer prominent besetzten Podiumsdiskussion. Zum Thema „Sind (unsere) Unis noch zeitgemäß? Alternativen, Visionen, Utopien“ diskutieren nebem den Studierenden Eva Maltschnig (ÖH) und Philip Taucher (Kritische & Solidarische Universität) die Lektorin Karin Schönpflug (Uni Wien), der Bildungswissenschaftler Erich Ribolits (Uni Wien) sowie die Schrifstellerin und Regisseurin Marlene Streeruwitz.
In der spannenden und durchaus kontroversen Diskussion wird über die Verortung der Bildungsproteste, ihren Stellenwert für die Gesellschaft wie für die Beteiligten und deren Ziele diskutiert, deren Umsetzung bislang an der mangelnden visionären Ausrichtung der Politik und der bildungspolitisch veranwortlichen Akteure scheiterte. Unterschiedlich sehen die DiskutantInnen das Bild der Universitäten im Jahr 2040, wobei – unter den herrschenden Umständen wenig verwunderlich – mehrheitlich eine pessimistische Sichtweise durchklingt. Die österreichischen Universitäten seien in vielen Belangen nicht (mehr) zeitgemäß, etwa die Mitbestimmung von Studierenden betreffend, die in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten nahezu gänzlich abgeschafft wurde. Einig sind sich die Podiumsgäste darin, dass die studentische Mitbestimmung an der Ausgestaltung der Lehrpläne und der künftigen Ausrichtung der universitären Bildung ganz wesentlich sei, da nur durch eine aktive und gleichberechtigte Beteiligung und Mitentscheidung der Studierenden die Universitätsstruktur und damit einhergehend die wissenschaftliche Bildung modernisiert werden könne – und zwar mit einem stärker visionären Charakter als dem der gegenwärtigen Politik. Die Modernisierung der Universtität scheint gerade unter dem Aspekt einer rückschrittlichen Tendenz zu verschulter Ausbildung statt freier, wissenschaftlicher Bildung geboten. Einigkeit herrscht auch darüber, dass im Sinne einer „Kulturrevolution“, die nicht nur auf die Hochschulen beschränkt sein sollte, es eines grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandlungsprozesses in Österreich bedarf.

Das Podium:

Marlene Streeruwitz (Schriftstellerin und Regisseurin), Karin Schönpflug (Lektorin am Projekt Internationale Entwicklung, Universität Wien), Erich Ribolits (Institut für Bildungswissenschaften, Universität Wien), Eva Maltschnig (Generalsekretärin ÖH), Philip, Kritische und Solidarische Universität (KriSU).

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