SPÖ – wie war das nochmal mit der Pressefreiheit? | Wien 06.10.2010

Die SPÖ hat sich mit ihrer „Modulbox“ für den Gemeinderatswahlkampf am Praterstern angemeldet. „Daß die sich dort überhaupt noch hintrauen,“ – so mein erster Gedanke – ist der Praterstern nach seinem Umbau fast nur noch aus Stahl und Beton. Alle Reaktionen von Menschen die mich während der Dokumentation des Umbaus angesprochen haben waren negativ – warum ich das denn überhaupt fotografieren würde…? Und mit der „Pergola“, dem Stahlgerüst das sich um den Praterstern zieht wurden ca. 1 Million Euro verbraten, was zu hefiger Kritik aller Oppositionsparteien geführt hat.

Tja, und ein wenig Rot bringt auch nicht wirklich viel Farbe in das Grau in Grau:

 © Martin Juen

Trotzdem – Bezirksvorsteher Kubik und Stadträtin Sonja Wehsely, GR Hora sind anwesend.

 © Martin Juen

Doch nun wird’s seltsam:Für wenn fotografieren Sie da?“ fragt ein Herr – „Freiberuflich“ – „Na das ist ja schön, aber wir haben unsere eigenen Fotografen.“ – „Sind Sie doch froh, daß auch noch jemand anders da ist“ – „Sie können hier nicht einfach fotografieren – haben Sie überhaupt einen Geberbeschein!?!“ – „Schauen Sie, hier ist mein Presseausweis – wenn Ihnen das nicht genügt, dann könne Sie ja die Polizei holen, da drüben ist die nächste Wachstube..“ – „Ja, das mache ich jetzt wirklich gleich,“ meint die seltsame Person und hält mir die Hand vors Objektiv.

 © Martin Juen

Daß die FPÖ mit Medienvertretern recht schroff verfährt ist nichts neues, siehe z.B. hier, aber bei der SPÖ (?) – das ist neu. Der Bezirksvorsteher, den ich bitte, seine Wahlkämfer ein wenig in Zaum zu halten meint nur, das dieser Herr nicht dazugehören würde. Sicher? Nochmals: „aber wir haben unsere eigenen Fotografen“ war die Formulierung. War der ganze Stahl am Praterstern – gemeinsam mit dem SPÖ-Logo vielleicht doch ein wenig peinlich?

Na schön, glücklicherweise gibt’s Teleobjektive und es gab auch noch genügend anderes zu fotografieren.

 © Martin Juen

 © Martin Juen

Aber bedenklich ist das ganze schon – vor ein paar Monaten hat der SPÖ-Nationalratsabgeordnete Faul (ist in d. Zwischenzeit zurückgetreten) einen meiner Kollegen auf der Pressegalerie tätlich angegriffen, nachdem der so frech war ein Foto von besagtem Herrn zu erstellen.

Weitere Bilder hier.

8 Kommentare

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8 Antworten zu “SPÖ – wie war das nochmal mit der Pressefreiheit? | Wien 06.10.2010

  1. Strange! Und was wäre, wenn ich als Privatperson da fotografiere? Darf man einen Auftritt einer Partei im öffentlichen Raum (!) nicht einfach fotografieren?

    • Klar darf man. Jeder und jede. Pressefotografen sowieso.

      Nicht auf’s Fotografieren kommt’s an, sondern auf die Veröffentlichung (Stichwort „Recht auf das rechte Bild“) bzw. Nicht-Veröffentlichung von Privatpersonen, soferne es sich nicht um eine große Menge handelt. Aber anscheinend ist das noch nicht auf die SPÖ-Bezirksebene durchgesickert.

    • Thomas Wolff

      Sicherlich darf man fotografieren, soviel und wen man will – die Frage ist halt, ob man es ohne Zustimmung fotografeiren darf. Das ist eine Frage des Status der Person.

      Davon abgesehen ist es mir auch schon passiert, dass mich die SPÖ, bzw. eine Mitarbeiterin von denen, am liebsten am Fotografieren gehindert hätte. Es ging um eine Berichterstattung über die „Wiener wohnen“-Tour vom Vzbgm. Ludwig in der Putzendoplergasse ! Sie meinte sogar, als „Veranstalterin“ hätte sie dort – in einem frei zugänglichen öffentlichen Bereich ! – praktisch das „Hausrecht“. Ich konnte nur lachen …. (PS Ludwig hatte damit nichts zu tun !)

      • Nochmals – man darf. Wo und wann immer man will – fotografieren.

        Leider werden die Leute immer paranoider: fotografiere ich eine Schule, so sieht man mich als „Kinderverzarrer“, fotografiere ich in einem kleinen Park, so kommen mir ein paar Jugendliche mit Migrationshintergrund, die sich dort halt treffen, entgegen und fragen ob ich von der Kronenzeitung wäre…

        Ad Veranstaltung von Ludwig: seltsam – normalerweise ist die SPÖ froh üner jeden Fotografen, der hinkommt. Aber – siehe mein Erlebnis – sind die auch schon paranoid.

    • Thomas Wolff

      hatte mich eh nur vertippt beim zweiten „fotografieren“, sollte veröffentlichen heißen.

      Und betreffs Kinder: Die fotografiere ich zwar auch, frage dann aber die Eltern, ob wir es veröffentlichen dürfen. Normalerweise gibt es nie Probleme … nur beim Neustifter Kirtag verbot mir eine Mutter, ihre Tochter zu fotografieren, ok, dann eben nicht. Nur später pöbelte sie mich dann übelst an, als ich eine Luftburg fotografierte (ihr Kind war im Übrigen überhaupt nicht dabei), warum ich „Kinder fotografiere und so weiter …

  2. Ich hätt einfach meinerseits als Fotograf die Polizei geholt… Solche Komiker gehören in ihre Schranken verwiesen!

    • Das habe ich mir überlegt und war schon knapp davor. Aber nachdem Polizisten oft je nach Tagesverfassung entscheiden, was Fotografen dürfen und was nicht – hab das sowohl positive als auch ausgesprochen negative Erfahrungen gemacht – habe ich das bleiben lassen.

      • Thomas Wolff

        Die Polizei wollte mir auch schon einmal das Fotografieren verbieten … nur waren sie zu langsam

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