Bundeskanzleramt / Feier der Ortstafellösung mit Gastkommentar v. Peter R. Horn | Wien 26.07.2011

Nachdem (endlich) eine Lösung bezülich der zweisprachigen Ortstafeln gefunden wurde, wird dies bei einem Empfang im Bundeskanzleramt gefeiert. Fotografen haben’s schwierig bei all den geladenen Gästen aus Kärnten  – kaum Platz – nur auf der Seite und dort dann irres Gegenlicht. Ein Kollege muß erst anregen, daß nach der offiziellen Feier doch noch ein Gruppenfoto möglich sein könnte/muß.

Doch das ergibt sich dann wie von selbst und  in einem Ausmaß, das irgendwie schon wieder irrtiert. Ist nun wirklich alles bestens in Kärnten? 

„Das können nur Kärnter selbst beantworten,“ ist ein oft gehörtes Argument. Also habe ich mich an meinen Kollegen und Freund Peter R. Horn gewandt, einen „echten Kärntner“  und ihn um einen Gastkomentar gebeten, ein Wunsch den er mir umgehend erfüllt hat (herzlichen Dank!):

Ein Foto ist nur ein Bildausschnitt, selbst wenn wie hier mehrere Fotos hintereinander gereiht werden, wird ein Teil und meistens der Großteil der Wirklichkeit abgedeckt um ein Etwas im Zentrum des Objektivs abzulichten. Warum also nicht über das nachdenken, was auf dem Foto nicht erscheint, und nicht deswegen, weil der Fotograf vielleicht nicht wollte, sondern weil es unsichtbar und vom Bildausschnitt verdeckt bleibt. Was verdecken diese Bilder der Freude?

Sie verdecken zum einen die Scham darüber, dass die Geschichte Kärntens von 1920 bis heute eine Geschichte des offenen Rassismus ist. Ich wäre im Jahr 1980 fast von der Schule geflogen, weil ich in unserer Schülerzeitung ein Gedicht veröffentlichte anlässlich der 10. Oktober-Feiern, ich weiß den Wortlaut nicht mehr und Zeitung habe ich auch keine, aber es ging um den jährlichen Nazi-Umzug der Schluss war ungefähr so: „… und da fährt das Heil Hitler! ihnen in den Arsch und fährt ihnen aus dem Mund das tausendfache Heil, Heil!“ Kein gutes Gedicht, aber irgendwie war die Wut jedenfalls ehrlich über diese braune Scheisse in Kärnten.

Vorneweg beim Umzug immer der Landeshauptmann, damals SPÖ, tiefbraune SPÖ. Es war die letzte Schülerzeitung an dieser Schule, glaube ich. Mein Mitstreiter von damals, Heinzi, hat sich gleich vertschüsst und ist Schauspieler geworden und hat dann beim Kommissar Rex mitgespielt, ich durfte bleiben, nach der Matura dann aber fluchtartig weg von dort.

Das sieht man auf all diesen Bildern nicht, das sehe ich auf diesen Bildern nicht, aber diese und viele andere tausend Geschichten werden von diesen Bildern verdeckt. Diese Bilder zeigen Verlierer, die glauben, gewonnen zu haben.

Weitere Fotos hier.

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