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Übersiedlung Wagenplatz in die Lobau – eine bittere Überraschung | Wien 28.10.2010

Die gute Nachricht: die Stadt Wien gibt sich gnädig und verlängert die Frist für eine ev. Räumung um 24 Stunden auf den 29.10.2010 / 9:00, wie die Leute vom Wagenpatz in der vergangenen Nacht erfahren. Andernfalls wäre der Großteil der Wägen jetzt wohl bei einem Abschleppdienst. Auf dem Wagenplatz wird fieberhaft gearbeitet, denn für eine Fahrt von der Hafenzufahrtsstraße in die Lobau und retour benötigt ein Zugfahrzeug zwei Stunden.

 © Martin Juen

„Wir stehen im Gatsch, so schnell geht das nicht“ hat ein Bewohner vor eingen Tagen gemeint und sich schon damals über die überfallsartige Drohung einer Räumung beschwert. Und dem ist tatsächlich so. Das „Entfernen“ der Wägen entpuppt sich als Herausforderung – eine zähe Arbeit die nur mit vereinten Kräften bewältigbar ist.

 © Martin Juen

 © Martin Juen

Was zurückbleiben muß: die vor einem Jahr selbst gepflantzen Bäume

 © Martin Juen

In Konvoi geht’s mit 10 km/h von der Hafenzufahrtstraße entlang des Handelskai zur Reichsbrücke und von dort wieder nach Süden in die Lobau.

 © Martin Juen

 © Martin Juen

Dort angekommen macht sich zuerst Ernüchterung breit: Der zur Verfügung stehend Platz ist viel zu klein (ob die Wägen, die sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Hafenzufahrtsstraße stehen, auch noch untergebracht werden konnten beibt offen) und von der daneben gelegenen Baustelle dringt ohrenbetäubender Lärm. Nicht umsonst sind die Bauarbeiter mit Ohrschützern ausgerüstet.

 © Martin Juen

Eine junge Frau bricht in Tränen aus, und stellt etwas später die Frage: „Wie soll ich denn neben dem Lärm leben?“ „Lange bleibe ich hier sicher nicht,“ ist von mehreren zu hören.

 © Martin Juen

Bei der Rückfahrt in die Hafenzufahrtsstraße schlägt die Enttäuschung in Wut um. „Wir hätten uns räumen lassen sollen,“ meint ein Bewohner. „Schlaue Taktik: zuerst Verlängerung der Frist, damit auch keine Räumung, keine Polizei und auch keine Medien,“ wird analysiert. Und man wird sich bald andere Grundstücke anschauen.

Kurum: durch die Räumung der Baumgasse 3 und die durch die Stadt Wien erzwungene Übersiedlung von Wägen in die in die Lobau ist das „Problem“ nicht vom Tisch sondern weitere Konflikte wurden vorprogrammiert.

Weitere Fotos hier.

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Räumung des Wagenplatzes Hafenzufahrtsstraße 60 in Nebel und Nacht Aktion? | 26.10.2010

Seit 18 Monaten Jahren besteht der Wagenplatz in der Hafenzufahrtsstraße 60 im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Also sehr lange, wenn man die andere Gruppe (treibstoff) als Vergeich heranzieht. Doch damit soll demnächst – möglicherweise schon morgen früh – Schluß sein. Die MA69 (Liegenschaftsmanagement) beansprucht  das bewohnte Areal, wie die Bewohner des Wagenplatzes erzählen. Ob  und wann eine Räumung durchgeführt werden soll ist nicht bekannt. Aber bald, möglicherweise schon morgen früh. Demensprechend hektisch geht es heute auf dem Platz zu.

 © Martin Juen

Eine überfallsartige Räumung des Wagenplatzes der Hafenzufahrtsstraße hätte für dessen Bewohner noch schlimmere Konsequenzen als jene in der Baumgasse, da in der Hafenzufahrtsstraße fast alle Wägen „Bauwägen“ sind, also ein Zugfahrzeug benötigen und nicht umgehend das Gelände verlassen können.

Die Wägen in der Hafenzufahrtsstraße stehen nicht auf Privatgrund, sondern Grundstücken der Stadt Wien. Dementspechen haben die Bewoher an die MA69 einen Apell gerichtet, daß sie das Areal noch über den Winter nutzen dürfen und einen entsprechenden Prekariatsvertrag ausgearbeitet, der hier zu finden ist. Und auch an den Bundespräsidenten haben sie ein Schreiben gerichtet, der Wortlaut ist hier nachzulesen.

Wo die Bewohner Konflike gerne austragen machen Sie auch auf andere Weise klar:

 © Martin Juen

Strom beziehen die Wagenleute dzt. von der daneben gelegenen Baustelle, die mit dem Wagenplatz schon fast zusammen gewachsen ist,

 © Martin Juen

und auch dort hat sich Überraschung breit gemacht. Von diesem haben sie auch die mündliche Zusage, weiterhin auf dem Gebiet bleiben zu dürfen, womit sich die Frage stellt, wer wirklich für das Areal zuständig ist…. Nicht umsonst schreiben die Leute vom Wagenplatz, „[…]dass wir als Spielball für politische Machtinteressen geopfert werden[…], und beziehen sich dabei auf die rot-grünen Koalitionsverhandlungen.

Welche Form dieser Ball nun hat – schnelle „Beseitung von Altlasten“ um sich in den Verhandlungen nicht mit dem Thema beschftigen zu müssen – oder eine gezielte Eskalation, um die Grünen quasi auf die Probe zu stellen „Wie biegbar ist unser Gegenüber?“ bleibt offen.

Weitere Fotos hier.

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